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Deutschland ein guter Ort für halblegale russische Künstler
wie Sorokin oder die Gruppe "Leningrad"?
Das
ist schwer zu sagen. Natürlich haben Leningrad und Sorokin durch
die Verbote einen großen Ruhm erlangt. Beide haben nun einen guten
Markt. Sie sind überall präsent: am Kiosk, bei MTV und im
Radio. Sie haben Karriere gemacht, was gut so ist. Somit können
sie sich auch im Westen zeigen. Doch sie sind keine politischen Flüchtlinge.
Die Sache ist komplexer. Deutschland war immer sehr offen gegenüber
russischer Kultur, es ist das beste Ausland für unsere Künstler.
Was
muss in Zukunft getan werden, damit es einen intensiven kulturellen
Dialog zwischen beiden Ländern gibt?
Russische
Kunst sollte nicht nur in einem Ghetto gezeigt werden, sondern gemeinsam
mit deutscher. Das war mir auch bei der Ausstellung wichtig. Die russische
Kunst muss in den europäischen Kontext gestellt werden. Der nächste
Schritt ist es, weitere gemeinsame Projekte zu machen, bei denen die
eigene Kunst nicht einfach nur exportiert wird.
Ist
es nicht problematisch, Kunst und Kultur mit so viel Staat zu präsentieren?
Es
gibt verschiedene Varianten: Die russische Präsentation auf der
Frankfurter Buchmesse war schrecklich offiziell. Andererseits ist die
Ausstellung "Berlin-Moskau/Moskau-Berlin 1950-2000", die
auch eine politische Entscheidung war, ohne politische Lenkung konzipiert
worden. Wir Kuratoren waren frei. Staatliches Geld heißt nicht
immer Druck seitens der Politiker. Vielleicht ist dem russischen Staat
die Literatur einfach wichtiger.
Ist
Berlin eine russische Stadt, war Berlin eine russische Stadt?
Ostberlin
war überhaupt nicht russisch. Ich fühlte mich im Ausland,
war sehr fremd. Die Isolation Westberlins hatte hingegen für russische
Künstler immer etwas Faszinierendes. Jetzt macht die Kombination
von Ost und West und die Offenheit diese Stadt für Russen attraktiv.
Das ist eine Chance für Berlin und für die Russen.
Frau
Degot, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das
Interview führte Sören Urbansky. 
(Sonderausgabe der
Moskauer Deutschen Zeitung, März 2004)